Ich habe die Voltigierer in Malawi besucht..

 

 

Reisebericht

01.01.2009

 

Hallo ihr Lieben,

als erstes wünsche ich euch alles Liebe, Gesundheit und das ansatzweise alles in Erfüllung geht, was ihr euch für das neue Jahr wünscht !

 

Ich möchte mich dafür bedanken, dass so viele von euch mit mir durch Malawi gereist sind. Durch meine kleinen Reiseberichte hatte ich die Möglichkeit meine Eindrücke mit euch zu teilen, denn "schöne Momente werden noch schöner, wenn man sie mit jemandem teilt...".

 

Seit meiner Rückkehr (nebenbei: es ist verdammt kalt hier!!) hatte ich kaum Zeit mich zurück zu lehnen und alles noch einmal Revue passieren zu lassen. Gestern habe ich mir die Zeit genommen und noch einmal alle Bilder in Ruhe angeschaut..dann ist etwas passiert, was ich nicht für möglich gehalten habe. Natürlich weiß´ich als fleißige Hobby-Fotografin, dass sich Bilder stets verändern, je nachdem in welcher psychischen Verfassung, Laune oder aber auch Zeit man diese Bilder betrachtet.

Ich bin zurückgekehrt mit dem Bewusstsein, dass ich nahezu alle "berühmten" afrikanischen Tiere gesehen habe, außer Löwen und Krokodile. Über die Krokodile war ich nicht besonders traurig. Als ich gestern jedoch mit Ruhe und präziser Genauigkeit meine Bilder ein weiteres Mal anschaute konnte ich kaum fassen, was meine Augen schlichtweg übersehen hatten. Ich habe unwissentlich ein Krokodil fotografiert!!!!!!!!!!!!!!!Auch auf dem Foto ist es kaum zu erkennen, aber könnt ihr euch vorstellen, wie ich vor meinem Bildschirm saß??? Da meine Freude so riesig war dieses Reptil in meiner Bildergalerie entdeckt zu haben, scheine ich augenscheinlich doch etwas traurig gewesen zu sein:-) Ich schau in zwei Wochen noch einmal, ob ich nicht noch irgendwo einen Löwen entdecke:-)...

 

Hier endet meine Reise und ich hoffe, euch haben meine Berichte gefallen..auch wenn ihr euch manchmal sehr viel Zeit nehmen musstet, um alles lesen zu können...

Mich jedenfalls hat das Reisefieber gepackt und ich möchte so schnell wie möglich weitere Reisen in andere Länder unternehmen. Wie, wann und wohin genau weiß ich noch nicht. Erstmal wird gearbeitet und gespart...was ich aber zu 100 Prozent weiß, dass ich nicht das letzte Mal in Malawi war...

 

Vielen Dank an Karen und an ihre Familie und natürlich an die malawischen Voltigierer, die mir eine der schönsten Zeiten und Erlebnisse in meinem Leben ermöglicht haben...

Alles Liebe,

eure Alina

15.12.2008

 

Hallo ihr Lieben,

es ist bereits sehr spät und ich habe es nicht geschafft, einen Bericht vorzuschreiben, weil ich den Laptop zur Abwechslung mal nicht 24 Stunden bei mir hatte...

Deswegen lass ich diesmal vor Allem Bilder sprechen und ich glaube, sie sagen alles...

nur ganz kurz:

war 2 Tage bei Chris, einer Frau, die mit ihren Pferden auch voltigieren anbieten möchte und sie hat sehr gute Pferde, die sich hervorragend zum Voltigieren eignen.

Dann gings für 2 Tage an den See, mit gemischtem Wetter, aber mit der Erfahrung reicher, ein Paradies gesehen zu haben...

Auf dem Rückweg ging es nochmal auf eine kleine Safari...

Müde und entspannt kehre ich zurück und werde den letzten Tag in vollen Zügen genießen, bevor es am Mittwoch zurück nach Deutschland geht.

Dieser Abschied wird nicht ohne Emotionen verlaufen, denn ich habe eine der schönsten Zeiten meines Lebens hinter mir..

09.11.2008

Hey ihr Lieben,

heute habe ich endlich die Seite Afrikas kennen gelernt, die jeder sofort mit Afrika verbindet – ich habe die Tiere gesehen, die wir sonst nur aus dem Zoo kennen! Schlangen sind mir jedoch diesmal erspart geblieben!

Wir sind in einen kleinen „Game-Park“ gefahren, ca. zwei Std. von der Farm entfernt.

Der Nyala-Park befindet sich in einer der trockensten Regionen Malawis, dort hat es noch keinen Tropfen geregnet, und es war wirklich ziemlich heiß. Die Landschaft war ganz anders. Nachdem hier die Regenzeit begonnen hat ist alles grün grün grün. Dort war alles sehr karg und die Kühe und Ziegen am Straßerand sahen ziemlich ausgemergelt aus…

 

Karen und Katie haben uns vorher gesagt, dass wir uns nicht allzu große Hoffnung machen sollen, weil die Tiere meist weiter weg sind und man wirklich die Augen offen halten muss, um Tiere zu sehen. Wir sind heute morgen also extra früh los gefahren, damit es noch nicht so heiß ist, wenn wir durch den Park fahren, weil sich die Tiere sonst im Schatten verstecken.

Ich kann es kaum glauben, aber wir haben nahezu alle Tiere des Parks gesehen und das NICHT von weitem. Alle Tiere waren höchstens 4-10 Meter von unserem Auto entfernt...

Es begann mit einigen Bushbucks und Nyalas (leider hab ich keine Ahnung, wie die Tiere in Deutsch heißen). Es folgten Gnus und sehr niedliche Zebras. Das sind einfach faszinierende Tiere. Aber dann….wir bogen in einen Weg ein und da standen sie am Horizont…2 riesige Giraffen. Ganz langsam näherten wir uns den beiden und entdeckten immer mehr. Im ganzen Park gibt’s nur 10 Giraffen und wir haben 7 auf einmal gesehen. Als sei das nicht schon Glück genug, sind noch 2 Babygiraffen, eins erst eine Woche (!) alt, auf uns zugelaufen. Diese Tiere sind einfach atemberaubend. Ein Giraffenbulle war so groß, dass wir mit unserem Landrover ganz easy durch seine Beine hätten durchfahren können...

Diese Tiere in „freier“ Wildbahn zu sehen, hat mich wahnsinnig glücklich gemacht…

 

Karen hatte mir am Vortag erzählt, dass dort eine Überraschung auf uns wartet. Ich dachte, sie meinte die Baby- Giraffen, von denen sie wusste. Das war sicherlich eine Überraschung, aber nicht DIE Überraschung.

Wir verließen den Park und fuhren einige Minuten weiter auf das Gelände einer Zuckerfabrik, eingebettet in riesige Zuckerplantagen. Im Auto hat uns Karen angewiesen uns mit Sonnenmilch einzuschmieren, nen Hut aufzusetzen und gespannt zu sein. Das waren wir auch, denn wir hatten keine Ahnung, was sie vor hatte…bis wir vor ca. 20 Kamelen standen.

Sie wollte uns die Möglichkeit bieten einen kleinen Kamelritt zu machen. Die Kamele sind auf der Plantage um die Zuckerfelder zu kontrollieren. Diese Zuckerpflanzen wachsen so hoch, dass man diese nicht überschauen kann, ob irgendwer irgendwo was stiehlt. Mit den Kamelen können sie alles genau beobachten…sehr interessant, wie ich finde…

Auf jeden Fall ist dann jeder von uns eine kleine Runde auf dem Kamel geritten und wir kamen aus dem Strahlen nicht mehr raus!

Danach gings in einen Sportclub, wo wir schwimmen und etwas essen waren. Der Club grenzt an einen Fluss, wo normalerweise Nilpferde und Krokodile sind, die wir diesmal aber leider nicht erblicken konnten.

 

Auf dem Rückweg hatten wir dann noch eine ganz schreckliche Begegnung. Wir unterhalten uns fröhlich im Auto über unseren schönen Tag und die tollen Tiere die wir gesehen haben, bis uns ein Kerl am Straßenrand einen Babyaffen entgegen streckt Mir ist fast das Herz stehen geblieben, weil wir im vorbeifahren auch einen Schrei dieses Geschöpfes gehört haben. Karen ist sofort stehen geblieben, hat den Kerl zu sich geholt und dann leider gemerkt, dass es sogar zwei Affen sind…

Er wollte uns den Affen logischerweise verkaufen und Karen hat ihn angeschrien, wie er so etwas machen könnte. Aber Respekt gegenüber Tieren gibt es hier nun mal nicht…(da ist das Voltigieren schon was sehr besonderes…). Er hat nur gelacht. Wenn es keine zwei Typen gewesen wären, so hat Karen es mir dann erzählt, hätte sie Interesse am Affen gezeigt, ihn sich näher anschauen lassen wollen und wäre dann einfach losgefahren. So hat sie es schon einmal gemacht…Die Kerle haben die Mutter der Affenkinder getötet um dann solchen Menschen wie mir zu begegnen, die ein solches Mitleid mit den Affen haben, dass ich ihnen sofort Geld dafür gegeben hätte und sie dann wieder freigelassen. Diese Affen waren aber definitiv zu jung, um sie einfach wieder auszusetzen. Der Schrei des Affenjungen hängt mir immer noch im Ohr und ich habe Karen angesehen, dass sie nur ungern weitergefahren ist, und die Affen dort gelassen hat. Das Problem ist nur, dass wenn man die Jungen kauft, dass die Typen das immer wieder machen werden…

wenn man mal an die armen Gorillas im Kongo denkt...ich meine, ich kenne die Situation der Gorillas dort, dass sie gejagt werden, usw. Aber wenn ich höre, dass man sich ihre Hände als Aschenbecher ins Haus stellt, da fehlen einem doch die Worte...

 

So, nun lasst euch von schöneren Bildern von nicht gefangenen Tieren wieder etwas aufheitern nach dieser Geschichte.

Liebste Grüße,

eure Alina

08.12.2008

Hey ihr Lieben,

ich habe mal wieder viele Geschichten für euch und einige kleine Beobachtungen.

Erstens: die Zeit rennt hier genauso wie zu Hause! Ich kann nicht glauben, dass es kommende Woche schon Heim geht. Die ersten haben sich schon von mir verabschiedet und das war irgendwie ein sehr komisches Gefühl. Tag zu Tag habe ich mich mehr mit dem Land identifiziert und jeden Tag gibt es neue Sachen zu entdecken. Seien es Tiere, die man zwar nicht immer sieht, aber immer hört (außer Schlangen… ). Pflanzen, die täglich anders aussehen oder Eigenschaften der Malawier die unergründlich scheinen…

Katy hatte kürzlich Schwimmunterricht zu Hause, bei einer Frau die aus Ghana kommt und mit einem Deutschen verheiratet ist. Ihre beiden Kinder sind fantastische Schwimmer und sollten dieses Jahr Malawi bei den olympischen Spielen vertreten. Sie haben ein halbes Jahr mit der Schule pausiert um sich auf den Höhepunkt einer jeden sportlichen Karriere vorzubereiten. In allerletzter Sekunde hat sich das Sport-Council jedoch dagegen entschieden die zwei zu schicken, weil sie keine „richtigen“ Malawier sind…Mit einer Mutter aus Ghana, einem weißen Vater aus Deutschland sind sie eben nicht hier geboren und schon gar nicht richtig schwarz. Es wurden dann nicht mal halb so gute Schwimmer nach Peking geschickt und die zwei haben aufgehört zu schwimmen, weil sie diese Enttäuschung nicht verkraftet haben. Diese Geschichten habe ich nun öfters gehört und ich frage mich, wie man dann ein Heimatgefühl entwickeln soll, wenn man in diesem Land geboren wurde und doch kein Malawier ist. Mit Karen ist das ähnlich. Wenn sie am Flughafen ankommt und ihren malawischen Pass zeigt wird sie erst einmal skeptisch angeschaut.

Ach ja, wo wir gerade bei Flughafen sind...Sandra und ich sitzen nicht in dem gleichen Flugzeug von Johannesburg nach Frankfurt. Wir haben uns wirklich gefreut zusammen zurück zu fliegen. Wir gingen davon aus, dass es das gleiche Flugzeug ist, weil wir am gleichen Tag und zur nahezu gleichen Zeit fliegen. Ich fliege allerdings 20 Minuten später…

 

Ich habe euch, glaube ich, vor einigen Wochen erzählt, dass hier Wahlen waren?! Auf jeden Fall hatte ich dann gefragt, ab wann man hier wahlberechtigt ist…Das ist etwas schwierig, weil die meisten Malawier keine exakten Geburtsdaten haben. Die meisten Kinder werden nicht in Krankenhäuser geboren, sondern zu Hause. Ältere Menschen schätzen ihr Alter an Ereignissen wie Überflutungen, schlechte Ernten, Hungersnöte, usw.

Wie weiß man also, wann ein Jugendlicher wahlberechtigt ist? Sie gehen ins Wahlbüro, heben den Arm und wenn sie Haare unter dem Arm haben, dürfen sie wählen…

 

Und wo wir gerade bei Jugendlichen sind…da die Aufklärung so unfassbar schlecht ist, verbreitet sich das HIV Virus sehr sehr schnell. Männer nehmen sich immer jüngere Mädchen, weil sie glauben, dass nur Frauen HIV haben und sie bei Jungfrauen keine Angst haben müssen. Dass die Männer diejenigen sind, die das HIV verbreiten kommt überhaupt nicht in Betracht…

Nun zu etwas Schönerem. Gestern hatten wir die lang ersehnte Volti-Show in Blantyre. Auf dem Weg dorthin hab ich die ganze Zeit gedacht: irgendwas ist anders…bis mir auffiel, dass die Menschen die sonst am Straßenrand laufen, diesmal nichts auf dem Kopf tragen und alle chic angezogen waren. Es war Sonntag und alle waren in der Kirche! Das war ganz absurd, denn auf einmal hatte ich nicht mehr das Gefühl in einem der ärmsten Länder dieser Erde zu sein…

 

Karen hatte für die Show sehr viel Publicity gemacht. Leider waren trotzdem nur 60 Zuschauer da, aber diese konnten wir restlos begeistern. Die Kinder waren fantastisch und haben alles gezeigt, was wir in den vergangenen Wochen so fleißig auf dem Pferd Jac geübt haben. Dann musste ich noch was auf Dekador vorführen. Ich muss dazu sagen, dass ich kein einziges Mal meine Kür oder viele Kürübungen üben konnte, weil er in den vergangenen Wochen das Voltigieren, na ja sagen wir mal, etwas doof fand.

Gestern allerdings war Dekador so relaxt und ich habe gedacht: ok, dann turne ich einfach mal... Als ich während meines kleinen Auftritts zu Karen geschaut habe, habe ich gesehen, dass sie kleine Tränchen in den Augen hatte und als ich fertig war, bin ich zu ihr und habe sie erstmal in den Arm genommen, weil wir wirklich viele Sorgen mit Dekador hatten...

Kaum waren wir wieder heim hat es so schlimm angefangen zu regnen, wie ich es hier noch nicht erlebt habe. Innerhalb von Sekunden wurden die Straßen zu Flüssen, weil der Boden immer noch zu trocken ist, um den Regen aufzunehmen. Und natürlich fiel der Strom aus…

 

Karen und ich waren heute Nachmittag im Immigrationsbüro um meine Aufenthaltsgenehmigung für 5 Tage zu verlängern. Bei meiner Ankunft habe ich nur 30 Tage bekommen, ich bleibe aber 35. Sandra hatte schon ihre Erfahrungen damit gemacht und heute war ich an der Reihe. Ich schien etwas mehr Glück zu haben, denn der Beamte war etwas netter, als der bei Sandra.

In dem Office, das so groß war wie mein Badezimmer, saßen 4 Leute. Einer schien das Sagen zu haben und hat mir die nötigen Formulare gegeben. Als ich gerade nach einem Kugelschreiber Ausschau hielt hat mir eine Frau den vor die Nase geworfen. Karen hat dann auf Deutsch diese Frau verflucht und nachdem wir unfassbare 5000 Kwacha für 5 Tage bezahlt haben (ca. 25 Euro) hat sie mich rausgeschickt und die Beamten zusammengepfiffen. Sie konnte es nicht fassen, dass man so mit Besuchern des Landes umgeht. Ich sehe das genauso! Sie meinten dann, die Weißen sollten sich nicht immer so anstellen. Ganz ehrlich, in politischen Sachen werden die Weißen gnadenlos unterdrückt. Karen sagt, dass alle so vorsichtig und empfindlich geworden sind. Wenn diese Situation in Europa gewesen wäre, hätte sie sofort das Recht gehabt, sich zu beschweren…

 

Morgen fahren wir in einen Tierpark, am Mittwoch bis Freitag geht es zu Chris, sie besitzt auch einen Reitstall und ihr Enke voltigiert bei Karen. Sie würde auch gern voltigieren anbieten und wir schauen mal, ob wir anfangen können, 2 Pferde auszubilden. Am Freitag mache ich dann eine Kajaktour am Lake Malawi, dann einen Tag Urlaub am See und dann sind wir Montag Abend wieder zurück…dann geht’s schon fast wieder heim….

 

Ihr Lieben, ich freue mich darauf, euch wieder zu sehen.

Viele Grüße,

eure Alina

 

entwurzelter Baum und kaputte Stromleitung entwurzelter Baum und kaputte Stromleitung

3.12.2008

 

Hey ihr Lieben,

hoffe, ihr seid in Weihnachtsstimmung?

Ich hatte Montag ein zweites, nach den Plätzchen, kleines aufflackern von Weihnachtsstimmung...denn es hat hier gehagelt!!! Kaum zu fassen, was für Eisbrocken vom Himmel kamen! Dazu hat es in Strömen geregnet, gewittert und gestürmt. Wir waren in der Zeit gerade im Stall und die Pferde drehten etwas durch…

Es wurden unfassbar große Bäume entwurzelt und in einigen ist der Blitz eingeschlagen. Auf der Farm ist ein riesiger Ast auf die Weide gekracht und ich hab mich gefragt, wie man diesen Baum wegschaffen will. Naja, die Antwort kam prompt. Als das Gewitter vorüber war, kamen etliche Kinder angelaufen und haben erstmal alle kleinen Äste aufgesammelt, schnell nach Hause gebracht und die Verwandten alarmiert. Die kamen dann mit Äxten und haben den riesigen Baum bis heute klein gehakt oder gesägt, sodass heute nichts mehr vom Baum übrig ist…für Feuerholz ist in einigen Familien also gesorgt…

Am Montag hatte ich noch eine weitere sonderbare Erfahrung gemacht, auf die ich gern verzichtet hätte. Karen und ich waren ganz gemütlich ausreiten und ich muss dazu sagen, dass man hier reitet, wo man Lust hat. Also sind wir im wahrsten Sinne über Stock und Stein und ich musste mir andauernd Äste aus dem Gesicht halten…währenddessen plaudern Karen und ich angeregt bis mir ein Schreckensschrei entfleucht! Als ich meine Hand wieder einem mir im Weg und damit im Gesicht hängenden Astentgegenstreckte kam mir eine rote Zunge und starr blickende Augen entgegen. Ich schrie also, duckte mich so viel ich konnte und fing dann an zu lachen. Das Lachen über mich selbst sollte mir aber schnell entgehen, nachdem Karen zurück ritt und schaute was es war. Die zweitgiftigste Schlange in Malawi, nach der Black Mamba und auch unter den Top 6 der Welt: eine Twick-Snake. Diese Begegnung war dann bis zum Hagel das Haupt-Gesprächsthema…

Mittags hatte ich die Möglichkeit mit einer deutschen Missionarin, die seit 10 Jahren in Malawi lebt, zu sprechen und ihr einige Fragen zur Rolle der Kinder und zur Rolle der Frauen zu stellen und habe wieder sehr interessante Sachen erfahren. Wenn malawische Frauen schwanger sind, dann sprechen sie da mit niemandem drüber, weil sie glauben, dass würde Unglück über das ungeborene Kind bringen. Das erklärt auch, warum ich niemals schwangere Frauen hier sehe, aber dafür Kinder Kinder Kinder. Sie binden ihr Chitenge so hoch, dass man den Bauch nicht sieht. Das waren sogar Neuigkeiten für Karen und sie machte gleich große Augen, denn sie erinnerte sich, dass sie vor kurzem eine Farmarbeiterin gefragt hätte: oh, du bist schwanger und sie hat ganz klar gesagt: nein nein, sie wäre nicht schwanger…

Ich habe Veronika dann noch einige Fragen zu ihrer Arbeit hier gestellt und sie hat nun ein eigenes Projekt gestartet, welches Familien unterstützt, die Waisenkinder aufgenommen haben. Es gibt 1,3 Millionen Waisenkinder in Malawi (von 13 Mio Einwohnern...). Es gibt ganz klare Regeln, was mit den Waisenkindern hier passiert, denn es gibt in Malawi kaum Waisenhäuser. Waisen kommen zum nächsten Familienangehörigen und wenn es diese nicht mehr gibt, entscheidet der Dorfhäuptling zu welcher Familie das Kind kommt. Oft ist es so, dass nur diese Kinder unterstützt werden und das Projekt der Missionarin versucht die ganze Familie zu unterstützen, damit sich nicht so etwas wie Eifersucht oder eine Sonderstellung des Kindes entwickelt.Oder die KInder werden als Arbeitsräfte missbraucht und in der Rangliste ganz nach hinten gestellt...

Sie leben seit 10 Jahren im tiefsten Busch und seit die Tochter schulpflichtig ist, lebt sie unter der Woche in der Stadt Zomba und am Wochenende geht’s wieder ins Dorf.

Ich hatte sie gefragt, wie sie im Dorf akzeptiert werden, aber wie auch ich erfahren habe, werden Weiße hier ausnahmslos begrüßt. Ein Dorfmitglied hatte sie dann allerdings bestohlen, doch die anderen Dorfbewohner haben den Dieb sofort ausfindig gemacht und wenn Johannes, der Mann von Veronika nicht dazwischen gegangen wäre, hätten sie ihn umgebracht. Das ganze Dorf hat sich so für ihn geschämt…

 

Ich könnte euch mal wieder Stunden über solche Geschichten berichten, aber das mache ich ein anderes Mal J sonst wird dieser Bericht wieder so langJ

 

Ich wollte euch aber noch berichten, dass ich mittlerweile schon ein paar Mal hier Auto gefahren bin! Zwar nur hier auf der Farm, aber es ist witzig auf der linken Seite zu fahren. Links zu fahren und es irgendwie organisiert zu kriegen, dass ich richtig abbiege ist das eine, aber schaltet mal mit linksJ

 

Ach ja und gestern waren wir 10 Stunden in der furchtbaren Stadt Blantyre weil wir ganz viel erledigen mussten und Karens Dad leider wieder im Krankenhaus ist.

Diese Stadt stinkt immer ziemlich vom Müll, den Autoabgasen der viel zu alten Autos und nach Muff…vielleicht ist das der Grund warum ich gestern Nachmittag dann krank war. Auf der Rückfahrt wurde mir so übel, dass ich meinen Kopf aus dem Fenster und mein Kopf so sehr schmerzte, dass ich die Augen geschlossen halten musste. Ich hatte dann erhöhte Temperatur und musste mich dann unter ne eiskalte Dusche stellen und dann direkt ins Bett legen...nach nem Anruf von Niko und ner Stunde Schlaf gings mir wieder gutJ. Hatten dann noch nen netten Abschiedsabend mit den tschechischen Biologie-Studenten die nach einem halben Jahr Maulratten-Forschung wieder heim fliegen.

 

Willy mit seiner süßen Schuluniform Willy mit seiner süßen Schuluniform

Heute habe ich Karen zu ihrer Schwimmstunde begleitet und hab soo sehr über die kleinen Pülkse gelacht, die gerade schwimmen lernen. Unter anderem auch wieder mein Liebling Willy, der Neffe von Karen. Er voltigiert auch und ist einfach nur zum knuddeln. 5 Jahre alt und wickelt alle um den Finger!

Ihr Lieben, nur noch zwei Wochen, dann bin ich schon wieder zu Hause…

Drück euch,

eure alina

30.11.2008

Hey ihr Lieben, ich wünsche euch einen schönen ersten Advent! Das hätte ich hier glatt vergessen, wenn mir nicht die Mama eines Kindes, die beim Volticamp mitgemacht hat, Plätzchen mit einem kleinen Tannenzweig mitgebracht hätte. Ob ich mich wohl gefreut habe!!! Glaubt mir, Weihnachten war noch nie so weit weg.

Die Familie kommt aus Deutschland und sie leben schon viele Jahre als Missionare hier. Aber auch sie können sich nicht daran gewöhnen, dass es an Weihnachten so heiß ist...

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie müde wir heute Abend sind..1,5 Tage mit 20 Kindern schlauchen ganz schön. Das Wichtigste ist allerdings dass wir Spaß hatten und davon hatten wir reichlich. Gestern Vormittag gings los mit Warm-Up, Holzpferd und Pferdetraining. Wir hatten unsere 8 Voltis und die restlichen waren Kinder aus Katys Schule. Da die Schule so klein ist, kennen sich alle Eltern untereinander und es ist einfach, so etwas zu organisieren. Selbst ich kenne durch die verschiedenen Schulaktivitäten mittlerweile fast alle Eltern! Bissl wie in meiner Grundschulzeit…Auf jeden Fall sind es alles multikulti-Kinder, weil die meisten Eltern dessen Kinder auf die Privatschule gehen Missionare, NGO- Mitarbeiter, oder sonstiges sind. So war auch das Volticamp. Ein permanentes switchen zwischen Englisch, Deutsch und Chichewa. Wenn ich holländisch und besser französisch sprechen könnte, hätte ich diese Sprachen auch noch nutzen können…

Mittags waren wir schwimmen, wo ich eigentlich nur die Kinder beaufsichtigen wollte, weil einige Kids nicht schwimmen können, vor allem die malawischen Kinder. Aber schwupps hat mich ne Horde Kids mit Klamotten ins Wasser geschmissen…das war der Lacher des Tages…

Nachmittags noch ne kleine Einheit auf dem Pferd, allerdings war es zu heiß um viel zu machen, also sind wir wieder zum Haus, haben die Zelte der Kids aufgebaut, waren noch mal schwimmen, Essen, schlafen. Heute waren alle Kids so müde, dass niemand Flausen im Kopf hatte und alle mit einem etwas starren Blick unseren Anweisungen gefolgt sindJ.

Ich war übrigens schlichtweg beeindruckt, wie problemlos die Integration der „malawischen“ Kids in die Gruppe der weißen Kids funktionierte. Natürlich ist das auch hier nicht de Regel! Aber Kinder machen bei Herkunft, Rasse und Geschlecht einfach keine Unterschiede und das anzusehen war einfach fantastisch!

Wir haben zum Abendessen Pizza gehabt, aber die malawischen Kids wollten Sima essen (erinnert ihr euch? Das habe ich bei der Familie im Busch gegessen). Sie haben mich dann eingeladen mit ihnen zu essen und ich hab mich freudig mit auf den Fußboden gesetzt und mit ihnen Sima gegessen. Sie waren sogar ein bissl beeindruckt, dass ich die Reihenfolge dieser Ess-Kultur kenne. Vom getrockneten Fisch allerdings, habe ich besser die Finger gelassen…

 

Ich erzähl noch mal kurz weiter vom Volti. Am Freitag hatten wir normales Voltitraining und wir hatten noch nie so viel Spaß.

Das Freitagstraining ist immer was besonderes, weil das Wochenende kurz bevor steht, die weißen Kinder von der Schule müde sind und die malawischen Kids müde sind vom bepflanzen der Felder. Sie haben bereits Ferien um ihren Familien auf den Feldern zu helfen. Alle schienen sich auf das Training zu freuen und ich habe alle Kids noch nie so gut gesehen. Sport geht eben nicht ohne Spaß!

 

Dann habe ich noch ne kleine Geschichte über die Psychologie von Menschen. Naja, vielen von euch wird das klar sein, aber mir führte das deutlich vor Augen, dass keine einzige Entwicklungszusammenarbeit funktioniert, wenn immer nur gegeben wird! Der Priester, bei dem wir vergangene Woche waren, wurde von den Bewohnern des Dorfes gefragt, ob sie einen Brunnen bauen könnten (Owan und seine Kirche verfügen über sehr viel Geld). Er stimmte zu, hatte allerdings eine Bedingung! Die Bewohner müssen 5000 Kwacha für den Brunnen aufbringen. Nach einiger Zeit kamen sie zu Owan und sagten, sie hätten nur 2500 Kwacha. Nein, sagte Owan, Das reicht nicht, dann gibt’s keinen Brunnen! Wieder einige Zeit später kamen sie zurück – mit 5000 Kwacha! Owan ließ den Brunnen bauen und es ist der einzige Brunnen der seit Ewigkeiten funktioniert, weil die Bewohner sich dafür verantwortlich fühlen und diesen Brunnen dementsprechend behandeln…

 

Ihr Lieben, ich mache hier Schluss, weil ihr nicht immer ne Stunde lesen sollt und ich völlig geschafft bin von den Kids. Dafür überschütte ich euch mit fantastischen Bildern!!!

Liebste Grüße,

eure Alina

 

ach ja, ich habe einen neuen Menüpunkt unter "Malawi" angelegt, wo ich noch ein paar mehr Bilder einstelle. Liebe Grüße,

alina

 

27.11.2008

 

Wir haben wieder Strom und das Wetter ist etwas kühler! So lässt es sich aushalten.

Am Wochenende ist Volti-Camp mit ca. 25 Kids, die meisten haben noch nie voltigiert.

Das wird sicher chaotisch aber auch witzig! Melde mich dann erst am Sonntag oder Montag wieder.

Liebe Grüße,

Alina

26.11.2008

Huhu ihr Lieben,

wir haben immer noch keinen Strom, bzw nur sehr unregelmäßig, aber das macht nichts, denn die Menschen freuen sich so sehr über den Regen, der den Stromausfall versursacht.J Gestern haben dann alle ihre Felder bepflanzt und es fehlten einige Kinder beim Volti, weil sie auf den Feldern helfen mussten. Es ist unglaublich, wie die Natur innerhalb dieser geringen Zeitspanne explodiert ist. Auf einmal ist alles grün. Selbst von heute morgen zu heute Abend ist alles noch mal grüner!

Wo wir gerade bei der Natur sind…Sandra und ich sind heute Morgen in den Stall gelaufen. Wieder durch den wunderschön riechenden Eukalyptus-Wald. Uns ist ein riiiiieeeesigeer Tausendfüßler über den Weg gelaufen und wir haben ihn natürlich neugierig betrachtet! DUMME IDEE!!! Wir wurden bei unserem Stopp gnadenlose Opfer von Killer-Ameisen (und nein, ich neige nicht zu Übertreibungen). Aber eigentlich hatten wir noch Glück. Und ich hatte noch ein bissl mehr davon, denn mich hat nur eine Ameise ein ganz wenig gebissen. In Sandras Bein hat sich eine Ameise  allerdings so fest gebissen, dass sie diese nicht weg schlagen, sondern sie regelrecht rausreißen musste. Zurück blieb eine kleine blutende Wunde. Böse Viecher!!!

Aprospros Viecher! Mensch, ein Übergang jagt dem Nächsten hier…das Haus wird gerade attackiert von hunderten von Fliegen und sonstigem Krabbeltierchen. Die kommen wohl raus, wenn’s geregnet hat. Und da wir der einzige leuchtende Punkt  in der Umgebung sind (es ist gleich 19 Uhr und stockfinster) fliegen sie alle hierher…mein Computer ist auch sehr beliebt. Oh und wie ich gerade erfahre, sind es fliegende Ameisen. Na, wie passend.

 

Ich kann noch mal kurz meine kleinen Beobachtungen zur Kultur des Landes darstellen. Ich sagte ja schon, dass die Frauen mit Abstand die härteste und auch meiste Arbeit hier verrichten. Die Männer hingegen machen aber mal wirklich gar nichts! Ich hab noch keinen von denen einen Wasserkrug, einen 20 kg Mehlsack oder Brennholz auf dem Kopf tragen sehen! Wenn sie Sachen zum transportieren haben, dann besitzen sie meistens ein Fahrrad! Oder wenn sie an der Hauptstraße wohnen, dann nehmen sie diese völlig veralteten, immer überfüllten und gemeingefährlichen Minibusse!

Sie sind einfach zu faul! Das hat allerdings auch einen positiven Nebeneffekt, schließlich war dieses Land noch nie in einen Krieg verwickelt. Dafür wären hier alle viel zu faulJ.

 

Heute haben wir etwas über Madonna und die Adoption ihres Kindes gesprochen. Das wurde hier auch sehr penibel als PR-Aktion aufgezogen. Karen hat ihrer Presseagentin eine Anfrage für ein Sponsoring geschickt, weil Madonna wohl eigene Pferde besitzt, aber alles muss strikt Kabala sein und das, was auch immer dieses Kabala eigentlich genau beinhaltet, ist wohl etwas schwierig.

 

It´s Christmas in Town. Wir waren gestern in einem riesigen Supermarkt einkaufen und alle Mitarbeiter hatten blinkende Rentierhörner auf und überhall hingen Fähnchen vom weißen Weihnachtsmann. Dazu 30 Grad und mein 2. Kulturschock war perfekt.

 

So, ich belasse es bei diesen Eindrücken, sonst müsst ihr wieder so viel lesenJ.

Anbei noch einige lustige Bilder vom Training…

Liebste Grüße,

eure alina

 

24.11.2008

Hallo ihr Lieben,

nun habe ich wieder zwei Gammeltage hinter mir, in denen ich mich ein bissl mehr meiner Diplomarbeit widmen konnte.

Leider habe ich noch niemanden getroffen, der mir sagen konnte, ob es noch typische afrikanische / malawische Sportarten gibt, obwohl ich weiß, dass die Kinder hier sehr viele Spiele spielen. Für alle die nicht wissen was einer der Schwerpunkte meiner Diplomarbeit ist: Ich schreibe über Sport in Entwicklungsländern und in wie weit die westliche Sportart „Voltigieren“ in die malawische Kultur passt. Dafür versuche ich verschiedene Aspekte der Kultur, wie Freizeitgestaltung von Kindern, die Rolle des Pferdes sowie Frauen und Sport, usw. rauszuarbeiten.

Was ich euch aber eigentlich erzählen wollte – es hat endlich geregnet!!! Somit hat es sich schlagartig abgekühlt und lässt sich gut aushaltenJ.

Es fing an zu regnen, als Sandra und ich gerade anfangen wollten mit einem Pferd zu arbeiten. Innerhalb von Sekunden waren wie bis auf die Unterbüchs durchnässt. Die Straßen verwandelten sich zu kleinen Flüssen, weil die Erde so trocken ist, dass sie noch kein Wasser aufnimmt.

Wo wir gerade beim Wasser sind…der Hauptwassertank, in den das Grundwasser und somit unser Trinkwasser gepumpt wird, ist kaputt. Somit müssen wir noch sparsamer sein und hoffen, dass es reicht, bis ein neuer Wassertank installiert werden kann. Also erstmal nichts mit Wäsche waschen, duschen in Rekordzeit, sparsam die Hände waschen und Klospülung nur wenn unbedingt notwendig benutzen…

Am Wochenende haben wir ein Volticamp, woran 25 Kinder teilnehmen, die alle hier schlafen sollen…das Schlafen verlegen wir wohl ins Gästehaus, einige hundert Meter von hier, weil dort noch etwas mehr Wasser ist…trotz Regen bleibt das Wasser nun einmal Mangelware.

Gestern habe ich übrigens 10 (!) Affen auf einmal gesehen. Die lungerten alle am Stall rum um sich ein wenig Futter, vor allem Mais, zu klauen. Faszinierende Tiere…Vor allem, wenn man sie nur aus dem Zoo kennt und sie hier einfach in den Bäumen sitzen.

Das war´s erstmal wieder. Diesmal brauchtet ihr keine Stunde, um meinen Bericht zu lesenJ…oh wie passend und jetzt ist der strom ausgefallen..

Viele Grüße an euch,

alina

 

22.11.2008

 

Hallo ihr Lieben,

ich bin zurück von einer der Erfahrungsreise, die realer kaum hätte sein können und ich warne euch jetzt schon mal, nehmt euch Zeit um diesen Bericht zu lesen, er wird lang!

 

Sandra und ich haben 2 Tage in einem Dorf verbracht, dass von der katholischen Kirche unterstützt wird. Eine Kirche, eine primary und eine secondary school sowie Projekte, wo Jugendliche sich auf ein Handwerk (Zimmerei oder Nähen) oder das Arbeiten mit dem Computer spezialisieren können (was sich noch etwas schwierig gestaltet, weil dort hauptsächlich nur das Haus der Priester Strom hat).

Des Weiteren wird dort eine Nursery-School gebaut, wo Frauen, die früh Kinder bekommen haben, ihre Kinder in Betreuung geben und ihrer Schulbildung weiter nachkommen können.

Wir haben in einem Zimmerchen gewohnt, mit fließend Wasser und Strom, also alles ganz normal.

Drum herum allerdings gibt es nur den Busch und vereinzelt Häuser und Grundstücke wo die Dorfbewohner leben.

Wir hatten die Möglichkeit einen Nachmittag mit einer Familie zusammen zu sein und diese Erfahrung wird mich so schnell nicht wieder loslassen…

 

Unabhängig von der sozialen Schicht in Europa haben alle das Privileg in den Supermarkt gehen zu können um sich etwas zu essen zu kaufen. Wohl kaum einer in den Industrieländern lebt die Subsistenzwirtschaft, außer dass sich der ein oder andere Gemüse im Garten anbaut.

Hier gibt es aber keine Supermärkte, nur zwei Mal in der Woche einen kleinen Markt, der einen Fußmarsch durch die Hitze von einer Stunde erfordert (wir sind das auch gelaufen!). Die Menschen bauen also für ihre 20-köpfige Familie, auf ihren kleinen Feldern, Nahrung für das ganze Jahr an! Malawi befindet sich gerade in der heißesten Zeit des Jahres und wartet sehnsüchtig auf den Regen, um endlich die Felder neu bepflanzen zu können.

Elnartah, eine 20 jährige Schülerin der secondary school hat uns abgeholt und uns ihr tägliches Leben mit ihrer Familie gezeigt. Ihr englisch war sehr gut, sodass die Kommunikation recht problemlos war. Bei der Ankunft wurden wir direkt freudig von 8 Kindern begrüßt und von der Schwester und ihren Mann, zwei weiteren Brüdern und deren Kindern, Mutti, usw… Ich glaube, ich habe schon 1000 Mal erwähnt, wie unfassbar freundlich alle Menschen hier sind und das dich ausnahmslos jeder fragt, wie es dir geht! Und dann sagst du, es geht mir gut, und dann fragt man den Gegenüber, wie es ihm geht, und Danke, DankeJ Hier auf Chichewa:

- Moni! (Hallo!)

- Zikomo (Danke!)

- Muli bwanji? (Wie geht es dir)

- ndili bwino! (Mir geht es gut)

- Zikomo! ( Danke)

und das gleiche noch mal, damit man den anderen auch fragt!

Naja, jedenfalls war direkt die erste Begegnung mit der ganzen Family so herzlich, dass meine ganze Aufregung, was mich wohl erwartet, sofort wie weggeblasen war und ich mich sehr auf den kommenden Nachmittag gefreut habe. Als zweites wurde uns das Grundstück gezeigt. Auf dem Grundstück standen verschiedene Hütten, wo die verschiedenen Familienmitglieder leben (nur das innere der Häuser wurde uns nicht gezeigt. Ich denke, das war dann doch zu privat. Nur die Toilette hatte ich mir etwas näher angesehen. Die ist etwas abseits der anderen Häuser und einfach ein aus Bask gefertigtes Häuschen ohne Dach. Man buddelt ein Loch, erledigt sein Geschäft und buddelt es zu..).

Dann die Tiere: Ziegen, Schweine, Hühner, Hunde. Ich weiß nicht, wie oft diese Familie Besucher empfängt und was dies für Besucher waren, aber die haben uns sehr oft erklärt, dass Hühner Eier legen und Ziegen Milch bringenJ

Die Mutter war so süß und hat immer mit uns auf Chichewa gesprochen und Elnartah hat übersetzt. Allerdings mussten wir für alles, wirklich alles, die Wörter auf Chichewa lernen. Die Aussprache fällt mir sehr sehr schwer und ich habe die meisten Wörter wieder vergessen.

Aber trotzdem hat es Spaß gemacht, alle durch unsere komische Betonung der Laute dieser Sprache zum lachen zu bringen!

Als nächstes haben wir uns auf eine Matte in den Schatten gesetzt und uns wurden Fragen zu unserer Familie gestellt und alle waren entsetzt, wie klein unsere Familien sind und das ich alleine lebe. Ich habe dann gesagt, dass wir so erstaunt darüber sind, dass 50% der malawischen Bevölkerung unter 14 Jahre ist und es soooooooooooo viele Kinder gibt. Natürlich weiß ich, wie groß die Familien in Entwicklungsländern sind, aber es ist wirklich komisch, wenn man aus einem Land kommt, wo Kinder wirklich rar sind, dass man hier selten alte Menschen sieht (natürlich auch aufgrund der Lebenserwartung), aber überall Kinder Kinder Kinder.

Dann ging es richtig los…wir sollten „Sima“ kochen. Sima ist das Hauptnahrungsmittel der Malawier. Sima besteht nur aus Mais-Mehl und Wasser.

Als erstes mussten wir die Maiskörner zu Mehl stampfen und sind kläglich gescheitert. Alle haben uns ausgelacht, weil wir uns etwas ungeschickt angestellt habenJ. Wir haben Stampfer in verschiedenen Größen zum ausprobieren bekommen, aber es war wirklich harte Arbeit. Dann haben wir das Gestampfte auf eine Art Sieb geschüttet und versucht die Maisschalen und das Mehl durch gekonntes werfen des Siebs zu trennen.

Als wir dann Mehl hatten, haben wir auf einer kleinen Freuerstelle Feuer gemacht und Wasser zum kochen gebracht. Als nächstes 2 Hände voll Mehl ins kochende Wasser, und warten bis es zu einer milchigen Substanz wurde. Dann noch mehr Mehl, bis es son ein bissl aussah wie Kartoffelpuree, nur in weiß und nicht so richtig appetitlich. Dazu noch ein Ei braten und beides auf verschiedene Teller legen, fast fertig. Wir sind zurück zur Matte gegangen, immer unter genauer Beobachtung aller Familienmitglieder und haben uns hingesetzt. Die Mutti hat uns dann gezeigt, wie man sich die Hände wäscht (mit dem leckeren Wasser aus dem kleinen Fluss, wo alle ihre Körperpflege machen, Wäsche waschen usw…). Aber das machte eh nichts mehr, schließlich hatte ich schon 20 Leuten vorher meine Hand gegeben…

Wir haben dann ein wenig Sima in die Hand genommen und es in der Hand geknetet. Dann noch ein wenig Ei und ab in den Mund…Sandra und ich haben beide penibel darauf geachtet, dass wir keine negativen Reaktionen zeigen. Ich denke, es ist uns auch gelungen und wir haben beide gleichzeitig genickt und meinten es wäre lecker. Aber ganz ehrlich, es hat schlichtweg nach gar nichts geschmeckt! Wonach soll Mehl und Wasser denn auch schmecken??? Nur das Ei hat dem ganzen ein bisschen Geschmack verliehen. Da es Sandra und mir sehr unangenehm war, das diese Familie, die sicherlich am Ende der Erntesaison sehr auf ihr essen achten muss, für uns so viel Mais und ein Ei geopfert hat, haben wir beide alle eingeladen, bitte mit uns zusammen zu essen. Aber es haben nur die Frauen und die Mädchen gegessen, die Jungs haben zugesehen.

Wir hatten kein so gutes Gefühl dabei, aber die Familie hat sich sichtlich gefreut, uns ein wenig aus ihrer Kultur zu zeigen.

 

Als nächstes sind wir Wasser holen gegangen. Kurz vorm Fluss sagte uns Elnartah, dass wir kurz warten müssten, weil sich gerade zwei Jungs dort waschen…okJ. Nachdem sie fertig und wieder angezogen waren, haben wir Wasser in zwei mittelgroßen Töpfen geholt und was kam dann…ihr ahnt es schon…das Wasser auf dem Kopf tragen. Tja, auch bei dieser Aufgabe sind wir kläglich gescheitert und konnten es gerade noch abwenden, dass sich das Wasser direkt über uns ergossJ. Die Kinder hatten ihren Spaß sag ich euch! Einmal habe ich es mit nur einem Finger am Topf geschafft und dann kam ein Kind und fand es witzig mich ein bissl zu schupsenJ. Gerade noch rechtzeitig habe ich es geschafft die zweite Hand an den Topf zu legen!

 

Nach unserer Rückkehr durften wir ein wenig Feldarbeit machen. Das wichtigste Nahrungsmittel anbauen: Mais! Dafür haben wir mit einer Art Schaufel ein Loch in den Boden gehackt, dann Maiskörner rein, zubuddeln, nächstes Loch. Keine Frage, wie anstrengend diese körperliche Arbeit ist, bei der ausnahmlos jedes Familienmitglied mithilft. Gestern habe ich erfahren, dass das malawische Schulsystem nach der Ernte ausgerichtet ist.

Frauen sind natürlich diejenigen die hier am meisten schuften. Sie kümmern sich um die Familien, um die Farm, ums Essen, um alles…Wo Elnartahs Vater war, weiß ich nicht genau. Owan, der eine Priester erzählte mir, dass er in der Stadt arbeitet und kein besonders guter Vater sei…

Die Verabschiedung von dieser Familie fiel mir enorm schwer. Innerhalb dieser wenigen Stunden habe ich alle in mein Herz geschlossen, weil mir selten so viel Freundlichkeit entgegen gebracht wurde…

Ich habe ihnen nur eine Frage, über die ich mir sehr oft Gedanken mache, nie gestellt: wir bezeichnen diese Menschen als arm! Ob sie sich aber auch arm fühlen?! Was ist Armut für diese Menschen? Sie werden ihr Leben sicherlich als arm bezeichnen, wenn sie nichts zu essen haben, oder nur so viel essen, dass sie hungrig schlafen gehen müssen. Sie werden sich als arm bezeichnen, wenn sie nicht mit ihrer Familie zusammen sein können. Ich hatte mich jedoch nicht getraut, diese Frage zu stellen…

 

Diese Erfahrung, dieses Leben kennen lernen zu dürfen wird mich auf jeden Fall nicht so schnell loslassen…

Genau wie die nächste Erfahrung am nächsten Morgen…wir sind mit Owan in die tiefen des Busch gefahren. Das waren keine Straßen, sondern kleine Wege mit großen Löchern, wo ich erstaunt war, dass das Auto diese Hürden überwinden konnte. Irgendwan gings nicht weiter und wir sind den Rest gelaufen.

Zwei Mal im Jahr (vor Weihnachten, also vor der Regenzeit und nach der Regenzeit zu Ostern, weil es sonst sehr schwer ist, diese Menschen zu erreichen) fährt er zu alten Menschen, nimmt ihnen die Beichte ab und hält kleine Gottesdienste. Bei unserem ersten Stopp waren wir bei 5 sehr alten Menschen, die mit Abstand die ältesten Menschen waren, die ich bisher hier gesehen habe. Ganz ehrlich, es war nicht so leicht für mich, diesen zum Teil auch sehr kranken Menschen (haben ununterbrochen gehustet), meine Hand zu geben und mich über mehrere Stunden zu zwingen diese Hand nicht in die Nähe meiner Nase oder meines Mundes zu bringen, obwohl ich mich natürlich die ganze Zeit was im Gesicht gejuckt hat!

Erst hat Owan den Menschen die Beichte abgenommen. Dafür haben sie sich hinter einen kleinen Baum gesetzt, sodass sie ungestört waren. Dann hab es einen kleinen Gottesdienst, mit Abendmahl und Singen und Beten. Die Lieder waren so schön, dass ich (die selten in der Kirche singt!), zum ersten Mal wünschte, ich könnte Chichewa und könnte mitsingen.

Wir hatten noch zwei sehr sympathische Helfer dabei, die die Lieder angestimmt haben und Owan zu den jeweiligen Familien gebracht haben, so alte Menschen auf ihn warteten. Sie haben diese Treffen organisiert, sodass die Menschen wissen, zu welcher Zeit Owan an welchem Ort ist.

Dann hat er noch das Mais und das Wasser gesegnet und es ging weiter zur nächsten Familie.

Dort war nur eine Frau, die kaum noch etwas hörte und dort hat Owan ein Gebet gesprochen und sie gesegnet. Weiter gings weiter zu einer größeren Gemeinde mit sowohl alten, aber auch jüngeren Dorfbewohnern die am Gottesdienst teilnehmen wollten. In den tiefen des afrikanischen Buschs sind nicht so oft andere weiße Menschen, außer den Priestern, dementsprechend wurden wir vor allem von den Kindern angestarrt. Aber auch hier waren alle wieder sehr sehr nett und keiner akzeptierte es, als wir uns zu den anderen auf den Boden gesetzt hatten. Wir sollten auf der Matte sitzen. Das wollten wir aber wiederum nicht, also mussten wir uns beugen. Wir luden dann aber wieder alle ein, mit uns zusammen auf der Matte zu sitzen. Und schwupps, war es voll. Aber wieder nur die Frauen saßen auf der MatteJ. Hier hat Father Owan einen etwas längeren Gottesdienst gemacht mit vielen verschiedenen Liedern, die mich alle fasziniert haben. Ich hab ein kleines Video gemacht, ich hoffe, die Internetleitung gibt es her, dass ich es online stelle.

Dann ging es wieder heim zu Karen und Ewan und ich bin wirklich dankbar, dass ich all das erleben durfte.

Ich bin allerdings auch etwas froh wieder hier zu sein, denn Sandra und ich fühlten uns in der Mission etwas wie in „Lost in Translation“…Wir hatten mit den Priestern und anderen Missionaren kleine Kommunikationsschwierigkeiten. Owan kommt eigentlich aus Irland und spricht sehr komisches Englisch. John und Samila, zwei Missionare in meinem Alter aus den USA sprechen so ein krassen american english, das auch das schwer war und dann war da noch Father Frank. In ihn hab ich mich sofort verliebt!!! Er ist seit 1946 in Malawi, 93 Jahre alt und ein so witziger Mann! Allerdings spricht er so leise, das es wirklich schwer war ihn zu verstehen…aber er war immer zu scherzen aufgelegt und hat einen permanent zum schmunzeln gebracht…

Übrigens bleiben donnerstags alle Priester im Dorf, weil das der Tag ist, wo Gläubige der ganzen Region zur Mission kommen und teilweise 20 km laufen, um ihre Beichte abzulegen.

 

Gestern Abend habe ich das erste Mal den Sternenhimmel gesehen!!!! Er war traumhaft schön und alle Sterne haben so stark gefunkelt, wie ich es selten vorher gesehen habe…

Karen und Ewan hatten tschechische Studenten eingeladen und so hatten wir mal andere Gesprächsthemen. Das war sehr angenehm, muss ich zugeben. Sie studieren Biologie und sind in Malawi um das Leben der Maulratten zu erforschen.

 

So, heute wird gegammelt, weil’s wieder zu heiß ist, um irgendwas zu machen. Morgen geht’s wahrscheinlich in einen Tierpark!!!!!!!!!!

 

Liebste Grüße an euch alle und hoffe, ihr habt jetzt keine 2 Stunden lesen müssen…J Aber es ist ja Wochenende…!

Fühlt euch gedrückt,

eure Alina

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5 Kommentare

  • #1

    Holli (Dienstag, 25 November 2008 13:13)

    Hey Alina,

    ich will auch wieder nach Malawi!!! :-) Genieße die Zeit dort, denn sie wird unvergesslich sein!

    Viele liebe Grüße aus dem kalten Deutschland

    Holli

  • #2

    michi (Dienstag, 25 November 2008 18:39)

    hi maus,

    schaffe es leider nie deine bericht komplett zu lesen...aber deine fotos sprechen mal wieder bände...

    weiterhin eine tolle zeit

    miss you, michi

  • #3

    ausra mahler (Donnerstag, 27 November 2008 08:10)

    Hi alinchen..das wird bestimmt ne schöne zeit..habe alles gelesen und fest gestellt das uns gehts echt gut...viele grüsse von uns allen und natürlich von whiskey (er rent immer noch durch die wohnung und sucht nach dir wenn ich deinen namen rufe:)) viel spass noch und komm gesund wieder .lg ausra

  • #4

    schnulliebaer (Mittwoch, 03 Dezember 2008 11:21)

    Hallo Süße, gebe Michi Recht
    1.Komme überhaupt nicht dazu deine ganzen Berichte zu lesen
    2.Deine Fotos sprechen Bände (Schnief; Du siehst sehr glücklich aus)
    3. MISS YOU ALL

  • #5

    Michelle (Samstag, 09 Mai 2009 15:25)

    HI,
    ich ab zwar nur teilweise gelesen was du geschrieben hast, aber das reicht schon, um festzustellen das du eine geile zeit tdort hattest und viel erlebt hast, freue mich auch schon auf einen gegenbesuch von dir.

    lg, Michelle

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19.11.2008

 

Hey ihr Lieben, heute Nacht hat es endlich etwas geregnet und es ist heute deutlich kühler. Durch den Regen riecht es hier ganz anders und als sich meine Nase daran gewöhnt hatte, wurde ich süchtig nach dem Geruch. Neben dem Haus ist ein riiiiiiieeesiger Eukalyptus-Wald und es riecht hier so wunderbar nach Eukalptus..

 

Heute Nachmittag gehts in ein ablegegenes Dorf zu einem katholischen Priester (ein Freund von Karen and Ewan) um das "echte" malawische Leben kennenzulernen. Wir dürfen dort keine Shorts tragen, also kommen unsere neu erworbenen Chitenjis zum Einsatz (ne Art Wickelrock...). Ich werde euch ausführlich berichten.

 

Gestern war weder Volti mit den Kids und das ist einfach fantastisch! Wir haben ne Team-Kür gebaut, denn bisher haben sieimmer nur Einzelvolti gemacht... das war Fun Fun Fun!

 

Viele Grüße an euch

17.11.2008

Hey ihr Lieben, nun schreibe meine Gedanken an euch auf meinem eigenen Laptop nieder, dadurch habe ich mehr Ruhe und Zeit, denn es gibt so viel zu erzählen und manchmal fehlen mir dann auf Kommando die richtigen Worte dafür.

Entschuldigt bitte, dass ich mich so „selten“ melde, aber ich versuche das wieder gut zu machen, indem ich euch interessante Einblicke in das Land und in mein Leben hier gebe…

 

Mein Leben ist hier sehr entspannt…. Wir stehen sehr sehr früh auf, um 6 Uhr, da schlaft ihr noch alle friedlich, denn bei euch ist es erst 5 (!) Uhr. Wir versuchen dann um 6:45 am Stall zu sein und mit den Pferden zu arbeiten (heute waren wir ausreiten und mir wurde die Farm gezeigt) , denn bereits ab 8:30 Uhr sind es hier knapp 40 Grad und jegliches aufhalten in der Sonne wird für mich als Nordeuropäer zu keiner spaßigen Angelegenheit. Ohne Hut halte ich mich jedenfalls nicht mehr in der prallen Sonne aufJ.

Nach dem Ausritt ist Karen vorgefahren und Sandra und ich haben noch mit einem Pferd ein bissl „Führ-Training“ gemacht. Auf dem Weg zum Haus haben wir Tawina und Obright getroffen, die mit einem selbst gebastelten Ball Fußball gespielt haben. Da haben wir dann mal ne kurze Runde mitgespielt. Leider waren wir etwas in Eile, weil wir noch in die „Stadt“ wollten, aber dazu mehr. Jedenfalls war es nur ein kurzes Vergnügen, aber witzig. Vor allem der „Ball“ hat mich fasziniert. Ich muss noch raus finden, aus was er gemacht war…

 

Das Haus ist durch einen Elektrozaun, mehrere Wächter, viele viele Gittertore und Mehrfachschlösser gesichert. Ob mir das eine gewisse Sicherheit vermittelt, weiß ich nicht…ich muss allerdings dazu sagen, damit sich Mutti, Vatti und Niko nicht so viele Sorgen machen, dass ich hier noch keine Sekunde Angst haben musste. Das sind einfach Vorsichtsmaßnahmen die man anscheinend treffen muss, wenn man weiß und wohlhabend ist und auf einer Farm lebt, wo Menschen in Hütten hausen, auf dem Boden schlafen, keine Toilette, geschweige denn fließend Wasser haben, sprich einen die Armut täglich begleitet.

 

Wenn wir unterwegs sind, wird man sehr viel angestarrt, aber nicht auf unangenehme Weise. Das Zusammenleben zwischen schwarz und weiß scheint ganz gut zu funktionieren. Ich denke, dass Karen und Ewen gute Arbeitgeber sind und deshalb hier sehr angesehen und akzeptiert sind.

 

Hatte ich euch bereits von den staatlichen Krankenhäusern erzählt? Ein Farmarbeiter von Karen ist vergangene Woche von einem Dach gestürzt und liegt seitdem im Krankenhaus. Karen fährt sehr oft hin um ihn zu besuchen, denn bisher hatte der Doktor (es gibt nur einen für geschätzte 400 Patienten) keine Zeit ihn zu behandeln. Heute sind Sandra und ich mit ins Krankenhaus…da habe ich noch mal neu beschlossen, auf keinen Fall krank zu werden und mich niemals über deutsche Krankenhäuser zu beschweren. Es hat nach Krankheit und viel zu vielen Menschen gerochen und das Krankenhaus war total überfüllt. Einige Patienten lagen auf dem Boden und es sind riesige Räume, wo ca 50 Patienten in einem Raum liegen. Aber de Zimmer waren hell und freundlich..ok, dieser Satz kann die Dramatik nicht aus dem nehmen, was wir dort gesehen haben… voll ist es aber auch, weil jeder Patient einen Angehörigen oder Aufpasser bei sich sitzen hat, weil es dort kein Essen und Trinken gibt..dafür muss dann jeder selbst sorgen…also, überall Menschen Menschen Menschen. Das geht schon los auf dem Parkplatz, dass dort überall Menschen sitzen. Hauptsächlich Frauen und zu 70% noch n Baby an der Brust. Diese öffentlich zu zeigen ist übrigens kein Problem, nur die Beine zeigt man nicht (habe heute kurz mit Killie gesprochen, ein Mächen vom Volti, sie hilft hier in den Ferien im Haushalt. Für sie ist es eine große Überwindung, beim volti ihren „Rock“, dessen chichewischen Namen ich schon wieder vergssen habe, auszuziehen….

Deswegen muss ich ein ganz wenig darauf achten, dass meine Shorts nicht zu kurz sind..naja, ich bin ja auch kein großer Fan meiner Beine, also passe ich mich dem gerne anJ

Tjaaa, und danach…Karen musste in Katies Schule Schwimmunterricht geben und eigentlich wollten wir vorher noch zum Markt..Da wir aber etwas spät dran waren, musste Karen direkt zum Unterricht….und wir sind alleine auf den Markt…Ja, kein Problem meinten wir, aber als wir auf das Gelände fuhren, habe ich nur gedacht, ob wir nen Knall haben…aber ich weiß auch, dass Karen uns niemals in eine gefährliche Situation bringen würde, also habe ich einfach Vertrauen gehabt.

Aber dann, Niko, das geht vor allem an dich, denn mein „Glückskind-Dasein“ geht auch hier weiter…- hat Karen ihren Lieblings-Verkäufer (sein Name ist Brown und er stottert so sympatisch) getroffen und ihn gebeten, mit uns zusammen auf den Markt zu gehen. Und das war natürlich großartig. Allerdings haben wir uns geweigert, dass er unsere Einkäufe trägt!! Auf diesem Markt konnte man ausnahmslos alles alles alles kaufen. Vor allem aber Altkleider aus Industrieländern. Sandra war sich zu 100 Prozent sicher, dass sie de Pulli ihres Bruders gesehen hat, den er mal zum streichen an hatte und deshalb einige weiße Sprenkel hatte. Das wäre natürlich großer Zufall, aber es ist möglich… Wir haben dann die Einkäufe für Karen erledigt und sind dann noch durch die stinkigen, viel zu engen Gassen gelaufen, wo wir, trotz einiger anderer Weißer , permanent angesprochen wurden, wir sollten lieber bei ihm Gemüse, Obst, Kleider, Steckdosen, Hühner, Fisch (natürlich in der Sonne liegend…), Schuhe, Kosmetik, usw..kaufen...Das war auf jeden Fall ein Erlebnis!

Aufm Rückweg haben wir andere weiße Touristen gesehen, die man sofort als solche erkannt hat, mit Bauchtaschen, Sandalen und hochgezogenen Socken, die verfolgt wurden von ner Horde Kids, weil sie so blöd waren und einem Geld gegeben haben. Wir sind natürlich auch dumme Touris, aber das wussten wir auch vorher, dass das eine der dümmsten Ideen ist, auf die man hier kommen kann.

 

Übrigens sitze ich gerade auf der Terasse und es ist stockfinster, außer, das es wieder mal gewittert, wie jeden Tag, nur immer ohne Regen…es regnet einfach nicht…Karen und Ewen sagen, dass es selten so einen heißen sommer gegeben hat und das alles viel kräftiger blüht als jemals zuvor.. Auf jeden Fall lausche ich den Tieren, von denen ich keine Ahnung habe, was es für welche sind. Heute hab ich beim Ausreiten nen Affen gesehen. Den Freund von Pippi Langstrumpf..

Die Natur ist atemberaubend..vor allem die rote Erde sieht einfach toll aus. Nur der Himmel ist immer etwas diesig. Es brennt hier andauernd irgendwo, weil die Einheimischen ihren Müll verbrennen oder neues Land gewinnen wollen.

 

Was noch? Ach ja…Letzte woche waren wahlen. Was für welche hab ich nicht verstanden, aber einen Tag zuvor fuhr hier immer ein Auto mit Megaphone durch die Straßen der Farm und hat irgendwas auf Chichewa gerufen. Am nächsten Tag wurden die Einwohner mit Lastwagen abgeholt und sie sind singend in die Stadt gefahren worden um ihre Stimme abzugeben. In wie fern das freie Wahlen sind, kann ich nicht beurteilen. Das Wahlszenario fand ich aber sehr interessant.

 

Die Straßen hier in Malawi sind so schlecht, dass das Fahren über 60 kmh lebensmüde ist. Überall riesige Schlaglöcher und am Straßenrand laufen Menschen. Irgendwann habe ich mal in der Uni gelernt (!), dass hier keiner ein Interesse hat, die Straßen zu reparieren, denn so lässt sich mit Autoschäden sehr viel Geld machenJ Das kann ich bestätigen!

 

So, nun hattet ihr eine Menge zu lesen und ich konnte endlich einiges davon loswerden, was ich euch nicht vorenthalten wollte.

Ganz liebe Grüße an alle,

fühlt euch gedrückt, alina

 

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15.11.2008

hallo ihr lieben,

hier ist, ausser  der wahnsinnigen hitze, die sogar den einheimischen zu schaffen macht, alles gut..(hatte gestern nen klitzekleinen kreislaufzusammenbruch...haben morgens voltigiert- also ich habe voltigiert, weil die pferde noch asgebildet werden muessen, bevor einige Kids drauf koennen und 2 std sonne waar keine sooo tolle idee ohne Cap...obwohl es 7 uhr morgens war, waren es schon 38 Grad...) .

 Auch wenn ich hier erst 3 tage bin, koennte ich schon stunden ueber meine eindruecke berichten und ich weiss nicht, wo ich anfangen soll...

wir haben kleine antilopen im garten, das ist soo toll ...

 

ein land zum leben ist das fuer mich auf keinen fall..diese unterschiede zwischen arm und reich  kann ich kaum verarbeiten und ich versuche immer besonders nett zu den Bediensteten oder sonstigen Schwarzen zu sein..
ich gruesse ausnahmslos alle die mir ueber den weg laufen..


gestern war die erste voltistd mit den kids..ich kann kaum beschreiben, was das fuer ein gefuehl war..es war eine mischung aus reichen und armen kids und die integration war fantastisch. fuer alle sind diese umstaende einfach normal. karen finanziert einigen kids sogar die schule. wobei die grundschulen unentgeltlich sind. was man aber lernt, wenn 200 kids einem lehrer zuhoeren, brauch ich ja nicht beschreiben...
jedenfalls kann ich es bis zur naechsten std kaum abwarten..leider sind die pferde noch sehr unerfahren, sodass sandra und ich sehr viel mit den pferden arbeiten..

Die Kinder haben so viel Potential und freuen sich, dieser sportlichen Aktivitaet nachkommen zu koennen und freuen sich immer, wenn ihnen jemand eine neue Uebung zeigt. Das Training ist eine Mischung aus Englisch, Zeichensprache und Chichewa. Das funktioniert sehr problemlos:)

ganz interessant ist die ueberwindung der malawischen maedchen, ihre beine zu zeigen. sie tragen immer roecke, weil man in dieser kultur seine beine nicht zeigt. somit ist so ne voltihose eine wirkliche ueberwindung...


ansonsten ist die stuation in der familie etwas angespannt weil karens papa im krankenhaus liegt und sehr krank ist...
ein arbeiter von der farm ist auch im krankenhaus, allerdings in nem oeffentlichen, dort gibts kein trinkwasser und kein essen. also ist immer  ein anderer angestellter oder karen selbst dort um trinken und essen hinzubringen und auf ihn acht zu geben.jetzt muss er auf dem boden liegen, weil das krankenhaus so ueberfuellt ist.

naechste woche gehe ich fuer ein paar tage in ein endlegendes dorf, zu einem priester,um noch eine weitere seite malawis kennenzulernen...und in die universaet, um mit studenten und professoren zu sprechen.

 

alles liebe, eure alina

 

ihr koennt auch in sandras reisetagebuch lesen, dann bekommt ihr einen Eindruck, was wir taeglich so machen...

 

13.11.

 

ICH BIN GUT ANGEKOMMEN!!!

Ich habe nach 2 Tagen bereits so viel zu erzaehlen, aber das Internet funktioniert nur sehr unregelmaessig und ist sehr langsam.

Der Flug war ok, keiner brauchte sich um Trombose sorgen, weil ich Mamma Mia gesehen habe und fleissig meine Beine zur Abbamusik bewegt habe...ansonsten kann ich einer 14 stuendigen Flugreise allerdings nichts abgewinnen. Ausser das Gewitter ueber Zentral-Afrika, welches ich ueber eine Stunde mit offenem Mund betrachtet habe. In diesem Moment war ich gluecklich ueber den Wolken zu sein...

die bezeichnung *schwarzer Kontinent* bekommt eine andere bedeutung, wenn man mehrere stunden ueber dieses land fliegt, ohne das am boden auch nur ein ort elektizitaet hat...bis dann die wolken kamen und das gewitter...

Nach der Landung an em super kleinen Airport in Blantyre wurde ich mit offenen Armen von Kate und Ewen empfangen..

Direkt beim Weg zum Auto wurde mir die Realitaet dieses Landes vor Augen gefuehrt...Dazu aber ein anderes Mal mehr..

jedenfalls kann man sich noch so viel ueber ein Land informieren, aber alles was man hier sieht, laesst einen so schnell nicht wieder los. wir waren direkt nach meiner ankunft einkaufen, aber nicht am strassenrand, sondern in nem supermarkt, wo nur weisse und gut gekleidete malawis waren..

 

hier gibt es irgendwie nur kinder..kinder kinder kinder...

das kennt man aus D ja nicht....

 

ach, das ist alles rubbish was ich hier erzaehle..ich bin noch nicht angekommen..ich muss damit erst klar kommen, dass mich auch in en schoenen haus schwarze bedienen und armut und reichtum nur eine strasse voneinander entfernt sind.

heute waren wir schwimmen, weil es so heiss war, dass nichts anderes moeglich war, dann haben wir ein neues pferd ausprobiert. das pferd war super lieb und ich habge mich etwas verliebt.... das hat mich n bissl abgelenkt.

ansonsten sind alle sooo nett, karen und ewen und die tochter kate sind fantastisch und sehr angesehen hier...

alle freuen sich so, dass ich da bin. und es wurde schon so unendlich viel fuer mich organisiert, mit wem ich mich alles ueber das Land und meine Diplomarbeit unterhalten soll....

morgen gebe ich die erste voltistd...

so, demnaechst mehr..

drueck euch...

 

p.s: mir gehts gut!!!!

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2 Kommentare

  • #1

    Dörte (Mittwoch, 19 November 2008 18:54)

    Das bild vom Aufwärmen ist ja geil!!! Du siehst echt scharf aus darauf ;-)

    Ich vermiss dich!!!!!!!!!!!! (hatte ich in dem Mail vergessen zu schreiben ;-))

  • #2

    Michelle (Samstag, 09 Mai 2009 15:28)

    hi,
    du hast echt voll die hammer bilder.Klasse!!!

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